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Digitale Mimik - Interview mit Stephanie Ernst

Liebe Stephanie, Du bist Expertin für nonverbale Kommunikation und emotionale Intelligenz. Hast Du einen Lieblings-Emoji?

 

Na klar! Gleich mehrere: 😊 das ist die Emotion, die mich am häufigsten begleitet. Und das hier 😉 wähle ich gerne, um zu verdeutlichen, dass es sich gerade um einen Scherz oder Ironie handelt. Beides findet sich viel in meinem Sprachgebrauch. Mein Nachname ist also nicht “Programm” bei mir 😉

 

Nach dieser Aufwärmfrage, nun eine etwas ernster gemeinte: kannst Du unserer heutigen, meistens digitalen Kommunikation viel Positives abgewinnen?

 

Natürlich ist sie nicht mehr wegzudenken aus unserer Zeit und vereinfacht auch vieles. Zum Beispiel die schnelle und direkte Kommunikation mit meiner Familie und Freunden auf der ganzen Welt. Ich denke, dass digitale Kommunikation in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung der heutigen Zeit ist. Zum einen ist der Suchtfaktor “immer und überall” in die digitale Kommunikation gehen zu können riesig groß! Der Morgen beginnt bei den allermeisten mit dem Blick aufs Smartphone. Bereits 60 Sekunden nach dem Aufwachen haben die allermeisten Menschen heute das Handy in der Hand und zack startet der Alltag aus Dauerablenkung und Reizüberflutung. Dabei sind wir noch gar nicht richtig wach und unser Gehirn erst recht nicht! Die Versuchungen und Verführungen ziehen uns uns immer weiter weg von uns selbst. Es bedarf tatsächlich großer Disziplin, um zu widerstehen. Ich merke gerade, dass ich mich von der eigentlichen Frage entferne :-)

Es geht hier ja nur um digitale Kommunikation!

 

Ist diese Art der Kommunikation wesentlich anders?

 

Das was dabei fehlt, ist der Blick ins Gesicht unseres Gegenübers, der Kommunikation merst rund macht. Es geht ja nicht nur um das geschriebene Wort, wenn wir den manderen richtig verstehen wollen, sondern um all das, was emotional noch so mmitschwingt. Dafür ist es wichtig auch die Mimik, Stimme und Körperhaltung wahrzunehmen. Wenn Du ein ganz persönliches Thema mit jemandem besprechen möchtest, wie machst Du das? Per Whats App, per Email?? Ich denke lieber persönlich face-to-face, um eben auch das Nonverbale wahrzunehmen. Oder?!

 

Verstehen und Verstanden werden, gehört zu unseren menschlichen Grundbedürfnissen

 

Wenn Du das “Nonverbale erkennen” sagst, denke ich gleich an diverse Körpersprache-Bücher aus den 90er Jahren. Darin war es immer eine simple Wenn-Dann-Logik: wenn jemand die Arme verschränkt, dann ist er abgeneigt. Ist es tatsächlich so einfach?

 

Nein, auf keinen Fall ist das so einfach! Es gibt in dem Bereich unendlich viele Mythen, wie unter anderem das von dir genannte Beispiel. Klassisch ist auch: der Blick nach schräg unten bedeutet, dass jemand lügt - das ist totaler Humbug!!

Kein Teil von Körpersprache ist zur Zeit so gut beforscht wie die Mimik, dann kommt lange nichts, dann die Stimme und erst dann kommt die Körpersprache. Interessanterweise haben die meisten schon einmal ein Seminar zum Thema Körpersprache besucht, dabei wäre es viel lohnender einander einfach ins Gesicht zu schauen. Bei der Methode Mimikresonanz® bezieht sich das Erkennen zunächst auf die Mimik und die zuverlässigen Muskelbewegungen - sogenannte Mikroexpressionen - die sich treffsicher den 12 Primär-Emotionen zuordnen lassen. Natürlich betrachten wir später auch den Gesamtkontext: Körperhaltung, Gestik und Stimme.

 

Das klingt interessant. Also lerne ich in einem Training zu dem Thema, diese Mikroexpressionen zu lesen? Ist uns diese Fähigkeit denn nicht angeboren? Man hat ja oft genug das Gefühl, ein “falsches Lächeln” vor sich zu haben.

 

Ja, genau das kann man in einem Training erfahren: die Mikroexpressionen im Gesicht zu erkennen und treffsicher Emotionen zuzuordnen. Damit wird das Unausgesprochene wahrnehmbar. Diese Fähigkeit ist uns tatsächlich angeboren: als Babies kommunizieren wir nur nonverbal und lesen im Gesicht unserer Mütter und Väter. Sobald die Sprache hinzukommt, geht diese Fähigkeit immer weiter verloren und durch die Tatsache, dass wir uns in Zeiten von Smartphones etc. einfach generell weniger ins Gesicht schauen, wird der Effekt noch verstärkt. Beim Mimikresonanz Training erwecken wir also eine Fähigkeit aus dem “Dornröschenschlaf”, die wir alle in uns haben.

 

Im Zusammenhang mit neuen Arbeitswelten wird das Thema “Authentizität” immer wichtiger. Wie bewertest Du es: sollten Menschen im Unternehmenskontext eine “professionelle Maske” wahren oder doch besser sehr transparent sein in ihren Emotionen?

 

Ja und nein. Studien haben gezeigt, dass die sogenannte “Emotionale Dissonanz” ein höheres Burnout-Risiko darstellt, als tatsächliches Arbeitspensum unter Zeitdruck.

Aber natürlich macht es nicht zu allen Gelegenheiten Sinn, z.B. seinen Ärger herauszubrüllen. Es geht um emotionale Flexibilität und das Verstehen darum, was die Kompetenz jeder einzelnen Emotion eigentlich ist. In unseren No-Stress-Trainings sagen wir darum: “Sei wie ein Chamäleon! Passe dich flexibel Deiner Umgebung an.”

 

Angenommen, wir würden alle vermehrt in die Gesichter unserer Gegenüber schauen und uns bemühen, ihre Emotionen zu lesen. Meinst Du, das würde unser Miteinander innerhalb der Gesellschaft verändern?

 

Oh ja, ganz gewiss würde es das! Verstehen und Verstanden werden, gehört zu unseren menschlichen Grundbedürfnissen. Wenn wir einander wieder ins Gesicht schauen mit dem Wunsch den anderen zu verstehen, seine emotionalen Bedürfnisse zu erkennen, dann steigert sich unsere Empathiefähigkeit fast automatisch. Und mehr Empathie können wir in der Gesellschaft gut gebrauchen!

Zur Person: Stephanie Ernst ist Expertin für nonverbale Kommunikation und emotionale Intelligenz.

 

In Mimikresonanz® Trainings vermittelt sie gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Christina Linke in mehreren Modulen (basic, professional, expert und profiler) studienbasiertes Wissen zum Thema Psychologie, Kommunikation und Neurobiologie. In ihren NoStress-Trainings geht es wiederum in vier Modulen um die Kraft der eigenen Emotionen und wie man diese sinnvoll nutzt, um dadurch emotionale Flexibilität zu erlangen.

https://www.mybrainboxx.com/

 

Durch das Interview führte Christoph Smak