Neue Arbeit, neue Kommunikation? - Interview mit Jan Walter

Jan, Du kommst ursprünglich aus Braunschweig,  hast in Hamburg studiert, mehrere Jahre in  Norddeutschland gearbeitet und lebst jetzt in Stuttgart. Gibt es einen Unterschied zwischen der Kommunikation im Norden und im Süden?
Die Kommunikation zwischen Nord und Süd, Ost und West ist schon unterschiedlich. Was dem Nordlicht sein „Jo“ ist dem Sachsen sein „Nu“. Ich glaube das hat jeder erlebt. Die Art und Weise, wie ein Gespräch aufgenommen wird ist quer durch Deutschland unterschiedlich. Die Berliner Schnauze und der Kölsche Jong sind eben nicht nur ein Klischee. Wir reden immer viel von interkultureller Kompetenz und denken da oft in Kontinenten. Dabei startet sie auf viel kleinerem Niveau: Das Stuttgarter Weindorf gastiert regelmäßig in Hamburg und der Hamburger
Fischmarkt in Stuttgart. Das ist Austausch.


Und abgesehen vom örtlichen Aspekt, wie hat sich die Kommunikation im Laufe der letzten Jahre oder Jahrzehnte verändert?
Vom Telefon über die Email bis zur App, hat sich zunächst viel technisch getan. Das hat natürlich seine Auswirkungen: Früher war es nicht mal möglich zu erkennen wer einen anrief. Heute schicken wir bereits eine Menge Infos über uns mit, noch bevor wir in Kontakt treten. Außerdem kommunizieren wir mehr mit Bildern, Videos und Emojicons, um Emotionen zu unterstreichen. Und das alles 24/7, was ebenfalls ein wichtiger Faktor ist.


Also siehst Du die digitale Kommunikation als Vorteil?
Jein. Trotz aller Digitalisierung und AR ist das echte Leben, also das persönliche Gespräch, weiterhin entscheidend. Zwar kann durch soziale Medien, Skype und andere einiges davon aufgenommen werden, aber das Grundgerüst ist immer noch die verbale und nonverbale Kommunikation im persönlichen Gespräch.


Apropos Grundgerüst: spielen Klassiker wie Sender-Empfänger-Modell, vier Seiten einer Nachricht etc. in modernen Workshops zu dem Thema eigentlich noch eine Rolle?
Als Trainer sollte man sie erstens kennen und zweitens umsetzen können. Allerdings, so meine Erfahrungen, lassen sich diese Grundprinzipien besser erklären, wenn man sie in konkrete Alltagssituationen der Teilnehmer einflechtet. Und diese können eben digitaler Art sein. So verbindet man die bewährte Theorie mit neuer Praxis. Deshalb sollte ein Trainer nie reiner Theoretiker sein. Griffige Alltagsbeispiele, praxisnahe Ansätze, Umgang mit dem Scheitern, das ist das Salz in der Suppe eines guten, modernen Seminars.


Wenn jemand die Basics der Kommunikation nun kennt, sich aber weiterentwickeln will um modernen Ansprüchen gerecht zu werden: worauf sollte er achten?
Zunächst müssen wir betrachten, auf welchen Wegen und mit welchen Medien und Mitteln in ihrem Unternehmen kommuniziert wird. Dann kann man sich fragen, was an der derzeitigen Kommunikation erfolgreich ist und was nicht. Gerade das „was nicht“ ist schwer herauszufinden, denn welcher Mitarbeiter sagt seinem Chef schon gerne, dass er eine Information nicht bekommen hat? Aber an genau dieser Stelle findet man viel Verbesserungspotential.


Verbesserung durch eine digitale Lösung?
Das kann helfen, muss aber nicht. Es muss nicht immer die neueste App sein. Ein strukturiertes Meeting mit einer klaren und verbindlichen Agenda ist da schon der erste Schritt.


Das ist ein überraschend analoger Tipp.
Moderne Führung und Kommunikation heißt nicht, dass alles online ablaufen muss. War die Zusammenarbeit und Kommunikation vorher schon schlecht, wird eine Onlineplattform sie nicht retten. Ist dagegen das „Analoge“ stabil und nachhaltig, so ist die Erweiterung auf ein digitales Tool sicherlich ein guter Schritt. Aber auch da kommt gute Führung und Kommunikation nicht von alleine, hier müssen Führungskräfte und Mitarbeiter einen geeigneten Rahmen erarbeiten und täglich einhalten.

 

Wie kommuniziert Ihr bei Storylines?
Wir versuchen es, uns regelmäßig persönlich auszutauschen. Wenn es nicht klappt, sprechen wir über Skype. Daneben nutzen wir ein online Planungstool und eine Kommunikationsplattform. Per Email erfolgt nur der Austausch mit Klienten und externen Personen. Wir können also aus eigener Erfahrung die Vorteile von analoger und digitaler Kommunikation bewerten. Beides hat seine Grenzen, beides hat seine Möglichkeiten. Zusammen macht es den Erfolg aus. ■


Jan Walter (39) ist seit 2005 Trainer und seit 2015 Personalentwickler. Seit 2012 ist er auch in sozialen Medien unterwegs. Seine Erfahrungen gibt er bei Storylines-Workshops zum Thema "Moderne Kommunikation" weiter.

 

Durch das Interview führte Vincent Ess

Das Foto hat uns Swen Göbbels bereitgestellt