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Warum ist New Work in aller Munde - Interview mit Christoph Smak

Was ist das Neue an der Arbeit, Christoph?

Grundsätzlich ist Arbeit immer im Wandel. Wir arbeiten heute anders als noch vor zehn Jahren, wesentlich unterschiedlich zur Generation unserer Eltern und die Arbeit aus der Zeit davor kennen wir nur noch aus Museen oder dem Geschichtsunterricht. Die Welt, die Gesellschaft und die Wirtschaft sind im steten Wandel und daher wird die Arbeit als solche ständig neu erfunden.


Also ist es nur ein Hype?

Das sagen viele, ich denke jedoch, dass es zu kurz gedacht ist. Auch wenn kaum jemand Frithjof Bergmanns Thesen kennt und einige Unternehmen einfach einen Kicker ins Büro stellen und das als New Work verkaufen, bin ich mir sicher dass tatsächlich die Zeit reif ist für echten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel.

 

Warum ist die Zeit "reif"?

Das liegt daran, dass die Veränderungszyklen immer kürzer werden, was Unternehmen und Menschen gleichermaßen überfordert. Der Wandel kommt nicht mehr schleichend daher, sondern erwischt uns immer wieder mit aller Kraft und Eindeutigkeit. Man kann nunmehr klar auf „das Neue“ zeigen und die Auswirkungen sofort spüren. Während unser Großvater die Elektrotechnik allmählich aufziehen sah und sich auf sie einstellen konnte, verändern disruptive Innovationen Märkte, Produkte und damit Unternehmen quasi über Nacht.

 

Das klingt nach einer eher bedrohlichen Entwicklung
Wenn man die neue Art der Arbeit darauf reduziert, dass schneller erfunden, gearbeitet und geliefert wird, könnte dieser Eindruck entstehen. Jedoch ist New Work nur ein Rahmenbegriff für viele Aspekte. Darunter auch wunderbare Ansätze wie eine aufgeklärte Art der Führung, Freiräume für Mitarbeiter, ungeahnte Möglichkeiten zum Austausch und Kooperation und insgesamt ein neues Miteinander.


Also doch "schöne neue Welt"?
Jein. New Work ist keine Sozialromantik. Die Wirtschaft ist nicht plötzlich aus einem bösen Dämmerschlaf erwacht und hat sich vorgenommen, ihre Teilnehmer fair zu behandeln und die Arbeit als solche angenehm zu gestalten. Für viele Unternehmen sind Themen wie New Work, Agilität, Freiräume für Innovationen etc. schlichtweg die einzige Chance, nicht innerhalb weniger Jahre vom Markt zu sein.


Was genau sollten die Unternehmen verändern?
Darauf kann man nicht kurz und allgemein antworten, weil die Märkte und Produkte zu unterschiedlich sind. Es hängt also von ihrem Umfeld und den darin vorliegenden Treibern ab. Wenn ihr Produkt hochtechnisch und disruptiven Innovationen ausgesetzt ist, müssen Sie hier immer am Ball bleiben. Wenn Sie eine Vielzahl von Konkurrenten haben oder Ihre Mitarbeiter Experten und Wissensträger sind, müssen sie hier ansetzen und eine neue Art der innovativen Zusammenarbeit ins Unternehmen tragen.

 

Gibt es eine Formel für den Wandel?

Man könnte höchstens einen groben Plan je Unternehmen stricken. Aber selbst dieser würde der Komplexität des Vorhabens nicht gerecht werden. Diejenigen, die sich ernsthaft mit New Work oder Agilität befassen, fürchten vielmehr einen "42-Punkte-Plan", welcher sich auf jedes Unternehmen anwenden lässt. Das wäre jedoch höchstens Kosmetik.


Kann es Unternehmen geben, die sich gar nicht verändern müssen?
Im Grunde genommen nein. Denn so unterschiedlich Unternehmen auch sind, eine bestimmte Entwicklung umfasst alle Wirtschaftsteilnehmer gleichermaßen: der Wertewandel der Menschen. In Zeiten, in denen sich qualifizierte Mitarbeiter die Jobs aussuchen können, reicht es nicht aus, im Unternehmen ein buntes Sofa und eine Spielkonsole hinzustellen. Sie wollen anders gefunden, angesprochen und behandelt werden.

 

Also betüdeln und in Watte packen?
Nein, das ist für alle Beteiligten nervig und schlichtweg Business-Theater. Vielmehr geht es um das Wertschätzen, Sinn finden und Freiräume schaffen. Das ist kostenfrei und trotzdem enorm effektiv, weil es den Menschen als Ganzes anspricht.


Womit können Unternehmen anfangen?

Versuchst Du wieder, von mir einen Plan zu erhalten? (lacht) Holen Sie sich zunächst neue Ideen ins Haus. Das können Impulsvorträge, Workshops oder interner Austausch unter Kollegen sein. Und dann spüren Sie hinein, was zu ihnen passt und was Sie weiterbringt und gehen den ersten Schritt. Aus den Erfahrungen die man dabei macht, werden Erkenntnisse und schließlich vernakern sich Veränderungen in der Organisation.

Wenn man es in drei großen Schritten benennen sollte, wären es für mich Orientierung, Befähigung und erst dann Freiräume. Und zwar in dieser Reihenfolge, sonst überfordert man das Unternehmen und aus dem tollen Ansatz wird ein gescheitertes Projekt und ein Buzzword.

 

Letzter Tipp für diese Reise?

Die Unternehmen die es ernst meinen, sollten neugierig und mutig sein. Denn Stolpern auf diesem Weg ist nicht nur erlaubt, sondern wärmstens empfohlen. Irrwege, Fehler und Herausforderungen gehören dazu. ■